Ex 20,24
Oliver Achilles
מִזְבַּח אֲדָמָה תַּעֲשֶׂה־לִּי וְזָבַחְתָּ עָלָיו אֶת־עֹלֹתֶיךָ וְאֶת־שְׁלָמֶיךָ אֶת־צֹֽאנְךָ וְאֶת־בְּקָרֶךָ בְּכָל־הַמָּקוֹם אֲשֶׁר אַזְכִּיר אֶת־שְׁמִי אָבוֹא אֵלֶיךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ׃
²⁴ Einen Altar von Erde wirst du mir machen und du wirst auf ihm deine Brandopfer und deine Friedensopfer schlachten, dein Kleinvieh und dein Vieh; an allen Orten, wo ich meines Namens gedenken lassen werde, werde ich zu dir kommen und dich segnen.
Einen Altar von Erde
Zweites Buch der Könige: Da sagte Naaman: Wenn <also> nicht, dann möge man deinem Knecht doch die Traglast eines Maultiergespannes Erde geben! Denn dein Knecht wird nicht mehr anderen Göttern Brandopfer und Schlachtopfer zubereiten, sondern nur <noch> dem HERRN.
2 Kön 5,17; Elberfelder
Paulus: ¹³ Wisst ihr nicht, dass alle, die im Heiligtum Dienst tun, vom Heiligtum leben und dass alle, die am Altar Dienst tun, vom Altar ihren Anteil erhalten? ¹⁴ So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkünden, geboten, vom Evangelium zu leben.
1 Kor 9,13-14; REÜ
Apostolische Konstitutionen: Denn der Herr sagt: „Wenn du nur einen Altar machest, so sollst du ihn mir aus Erde machen;“ er sagt nicht „mache“, sondern, „wenn du machest“, er legt keinen Zwang auf, sondern er überläßt es dem freien Willen. Denn Gott bedarf der Opfer nicht, da er seiner Wesenheit nach Nichts bedarf; aber er wußte, daß auch schon ehedem der gottliebende Abel und Noe und Abraham und ihre Nachkommen nicht gezwungen, sondern vom Naturgesetz bewogen von selbst aus dankbarer Gesinnung ihm Opfer dargebracht haben. Das Gleiche gestattete er den Juden, weit entfernt, es ihnen zu befehlen; er erklärte, ihre Opfer wohlgefällig anzunehmen, wenn sie selbe mit rechter Gesinnung darbrächten.
VI,20; Ü: Ferdinand Boxler für die BKV
Gregor der Große: Denn für Gott einen Altar aus Erde zu machen, bedeutet auf die Menschwerdung des Mittlers zu hoffen. Denn dann wird unsere Gabe von Gott angenommen, wenn unsere Demut auf diesem Altar, das bedeutet, auf den Glauben an die Menschwerdung des Herrn, gelegt hat was auch immer geopfert wurde. Daher legen wir unsere Opfergabe auf einen Altar aus Erde, wenn wir unsere Handlungen durch den Glauben an die Menschwerdung des Herrn festmachen.
Moralia in Job; III,26,51; CCSL 143, S. 146-147
Carl Friedrich Keil: Der Altar solte nicht die Creatur repräsentiren, sondern die Stätte sein, zu welcher Gott sich herabließe, um auf ihr den Menschen in seine Gemeinschaft aufzunehmen. Deshalb solte der Altar von dem Materiale gemacht werden, welches den realen d.h. irdischen Boden für das Reich Gottes bildet, entweder von Erde oder auch von Steinen, wie sie in ihrem natürlichen Zustande beschaffen waren; (…) weil der Altar die Natur des einfachen, nicht durch Menschenhand umgestalteten Erdbodens darstellen solte; wie denn auch die in den Fluch der Sünde hineingezogene Erde1 nicht durch die sündigen Menschen, sondern allein durch Gottes Gnadenhand erneuert und in das Reich Gottes verklärt werden kann.
Biblischer Commentar über die Bücher Mose's. 1. Bd., Genesis und Exodus (1861) S. 479
CIC 1983: Can. 1236 — § 1. Nach überkommenem kirchlichen Brauch hat die Tischplatte eines feststehenden Altars steinern zu sein, und zwar aus einem einzigen Naturstein; nach dem Urteil der Bischofskonferenz kann jedoch auch anderes würdiges und haltbares Material verwendet werden. Der Altarsockel, d.h. der Unterbau, kann aus jedem beliebigen Material angefertigt werden.
§ 2. Ein Tragaltar kann aus jedem beliebigen haltbaren, dem liturgischen Gebrauch entsprechenden Material angefertigt werden.
Deine Opfer und dein Vieh
Laktanz: Denn die Buße ist die Zurechtweisung seiner selbst, indem wir nach einer möglichen Verschuldung in Wort oder Werk sogleich wieder zu uns kommen, unseren Fehltritt eingestehen und Gott um Verzeihung bitten; und diese wird er nach seiner Barmherzigkeit niemand versagen außer denen, die in der Verirrung verharren. Groß ist die Hilfe der Buße und groß der Trost. Sie ist die Heilung für die Wunden der Sünden, sie ist die Hoffnung und der Hafen des Heils; wer die Buße wegnimmt, der versperrt sich den Weg zum Leben; denn niemand kann so gerecht sein, daß ihm niemals die Buße zur Notwendigkeit würde. (…) Das sind die Gaben, die der Diener Gottes opfern muß; das sind die Schlachtopfer, dies das Opfer der Versöhnung, das er darbringen soll; das ist die wahre Verehrung, wenn der Mensch das Kostbarste seines Herzens auf den Altar Gottes legt. An einem solchen Verehrer erfreut sich jene höchste Majestät, ihn nimmt sie als Sohn auf und verleiht ihm die zukommende Belohnung der Unsterblichkeit.
Auszug aus den göttlichen Unterweisungen 62; Ü: Aloys Hartl für die BKV
Gregor der Große: Denn nur dann nimmt Gott ein Opfer an, wenn es vor seinen Augen auf dem Altar der guten Werke von der Flamme der Liebe in Brand gesetzt wird.
Buch der Pastoralregel III,9; Ü: Joseph Funk für die BKV
Umberto Cassuto: Die vierfache Betonung des Wortes deine ist gleichbedeutend mit: Du sollst wissen, dass nicht ich (Gott) es bin, der Opfer nötig hat, sondern du allein brauchst sie, um deine Gefühle mir gegenüber auszudrücken. Die Opfer sind deine Opfer.
A commentary on the book of Exodus (1997) S. 256
An allen Orten
Philo von Alexandria: Der Begriff „Ort“ ist dreifach zu verstehen: einmal als vom Körper erfüllter Raum, auf die zweite Art als der göttliche Logos, den Gott selbst ganz und gar mit unkörperlichen Kräften ausgefüllt hat. Denn „sie sahen", heißt es, „den Ort, wo der Gott Israels stand" (2 Mos. 24, 10), an dem allein er auch den Gottesdienst zu verrichten erlaubt hat, nachdem er es an allen anderen Stellen verboten hatte; er hatte nämlich bestimmt, man solle zu dem Orte hinaufsteigen, den Gott der Herr ausgewählt hätte, und dort die Ganzopfer darbringen und die Dankopfer, dorthin die übrigen makellosen Opfertiere hinaufführen (5 Mos. 12, 5ff.).
Über die Träume I, 62; Die Werke in deutscher Übersetzung VI (²1962) S. 186
Jean Calvin: Denn wenn Mose von Gottes Wohnstatt redet, dann nennt er sie zugleich auch den Ort des Namens (Gottes), an welchem Gott „seines Namens Gedächtnis“ gestiftet habe (Ex 20,24). Damit legt er offen dar, daß diese Stätte ohne die Unterweisung in der Frömmigkeit keinerlei Nutzen hat.
Institutiones IV,1,5; Ü: Otto Weber (⁶1997) S. 688
Carl Friedrich Keil: Es wird ja die Errichtung des Altares unzweideutig auf jeden Ort beschränkt, den Jehova durch Offenbarung bestimmen werde. Darunter sind aber nicht blos die Orte zu verstehen, wo in der Folgezeit die Stiftshütte mit ihrem Altar aufgerichtet und später der Tempel erbaut wurde (Sinai, Silo und Jerusalem), sondern auch die Stätten, wo auf Befehl des Herrn oder in Folge von Gotteserscheinungen in außerordentlicher Weise Altäre erbaut und auf denselben Opfer dargebracht wurden, wie auf dem Ebal Jos 8,30 vgl. mit Deut 27,5, auf dem Gipfel des Felsens zu Ophra Richt. 6,25f. u. and. m.
Biblischer Commentar über die Bücher Mose's. 1. Bd., Genesis und Exodus (1861) S. 480
Gesenius-Kautzsch: Ex 20,24 ist בְּכָל־הַמָּקוֹם (am ganzen Ort, sc. des Heiligtums) dogmat. Korrektur für בְּכָל־מ׳ (an jedem Ort) zur Beseitigung des Anstoßes, daß hier statt des einen
Zentralheiligtums zahlreiche Kultstätten erlaubt werden.
Hebräische Grammatik (²⁸1909) § 127 e
Martin Noth: In V. 24b wird mit einer Vielzahl von heiligen Stätten gerechnet. Allerdings können heilige Stätten nicht an beliebigen Orten gegründet werden, sondern nur da, wo Gott Veranlassung gibt, seinen „Namen zu nennen“, d.h. ihn kultisch anzurufen; das kann etwa durch Gotteserscheinungen in Gesichten oder Träumen geschehen. An diesen Orten will Gott dann aber auch zu den kultischen Handlungen „kommen“ und den Segen spenden, auf den die kultische Handlung hinzielt.
Das zweite Buch Mose (1959) S. 142
Konrad Schmid: Das Deuteronomium ist auf weite Strecken hin als Neuausgabe des Bundesbuches unter Maßgabe der Forderung nach Kultzentralisation entstanden (…). Schon der literarische Kern des Zentralisationsgesetzes in Dtn 12,13 ist literarisch vom Altargesetz des Bundesbuches in 20,24 abhängig und zitiert dieses nachgerade (…): Dtn 12,13f: Hüte dich, dein Brandopfer an jedem Ort, den du siehst, darzubringen, sondern nur an dem Ort, den Jahwe erwählen wird in einem deiner Stämme, dort sollst du dein Brandopfer darbringen. Literaturgeschichte des Alten Testamentes (2008) S. 104-105
Werde ich zu dir kommen und dich segnen
Georg Fischer/Dominik Markl: Auch für die heutige religiöse Praxis hat das Altargesetz Wichtiges zu sagen. Bei aller möglichen Schönheit und Kunst im Gottesdienst kommt es im Wesentlichen auf die Begegnung an. Wo auch immer wir Gottes Gabe des Lebens dankbar anerkennen, will er uns in mehrfacher Weise entgegenkommen (V.24).
Das Buch Exodus (2009) S. 244 f.
Bernd Janowski: Für das Verständnis des Opfers im alten Israel erweist sich das Altargesetz somit als grundlegend (…): Wenn Gott anlässlich eines Opfers kommt, dann nicht in Feindseligkeit, so dass man ihn – wie immer wieder behauptet wird – gnädig stimmen müsste, sondern um die Gastfreundschaft seines Volkes anzunehmen und um es zu segnen (Ex 20,24b).
Ein Gott, der straft und tötet? Zwölf Fragen zum Gottesbild des Alten Testaments. Neukirchener Theologie (²2014) S. 271
Vgl. Gen 3,17